22.08.2013

Abwechslung macht das Leben süss.

Geplante Strecke: ca 90km
Gefahrene Strecke: 83.78km
Fahrzeit:  4:24 h
Durchschnitt: 19.0 km/h

Das Hundegebell weckt mich schon um halb sieben. Ich drehe mich und versuche noch eine halbe Stunde zu schlummern.
Ich habe mir gestern ein Handwerker Hotel ausgesucht. Es ist mitten im Industriegebiet und ist eigentlich Teil eines Betriebsgebäudes eines Fensterspezialisten. Die Hunde beschützen das Areal, damit nichts gestohlen wird. Das sei ein echtes Problem hier, meinte die Besitzerin. Hier werde alles geklaut. Ja und wenn dann ein Lieferant morgens um halb sieben etwas abliefern will – dann bedanken sich auch die Hotelgäste, mal ganz abgesehen davon, dass ein Einschlafen vor 23:00 undenkbar ist, das ist so ein Lärm ums Haus. Aber sonst ist es hier ganz ok.

Ich schäle mich aus der Bettdecke und packe alle Sachen zusammen. Gemütlich esse ich am Tisch in meinem Zimmer das Frühstück und hole einen Kaffe aus dem Automaten.  Der ist echt ungeniessbar. Nach dem Checkout fahre ich zum McDonalds um die Ecke und hole mir da einen Kaffee. Nicht wirklich eine Gaumenfreude, aber wesentlich besser und macht wach.

Ich starte und suche den Einstieg in die Route. Das fällt mir nicht sehr schwer, ich weiss ja wo ich sie gestern verlassen habe. Ich folge dem Dammweg über mehrere Kilometer, erst über einen neu angelegten Schotterweg, dann über betonierte Waldstrassen (sind hier nicht selten), dann über uralte verlöcherte und geflickte Asphaltstrassen, dann über einen verlöcherten, alten Schotterweg und aber auch eine lange Strecke neuer Asphalt. Heute ist einfach alles dabei. Einmal einem Hochwasserdamm entlang, dann mitten auf dem Feld, in der Stadt, an der Promenade, ein Weg dem Rhein entlang, durch einen Stadtpark, durch ein Wohnquartier, fehlt nur noch die Autobahn.
Hier bin ich sogar über einen extrem holprigen Kopfsteinpflasterweg gefahren. Das muss ein Relikt aus der Römerzeit sein. Ein Stück von ca einem halben Kilometer und keine Ausweichmöglichkeit. Ich fahre langsam aber ich fürchte es vibriert mir alle Schrauben aus den Gewinden. Einfach unglaublich.

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Endlich die Erlösung, eine wunderbar laaaaange Strecke ganz neu asphaltierte Strecke. Ich gebe Gas, es ist eine wahre Freude so zu fahren. Ein grosser Teil der bisherigen abgestrampelten Kilometer waren Schotterwege. Sie brauchen soviel Kraft, Konzentration und man ist erheblich langsamer. Ich geniesse diese willkommene Abwechslung.

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Ich komme an ein Vorort von Mainz. Der Ort wirkt friedlich und idyllisch. Es hat sogar einen kleinen Hafen hier. Dann gehts rechts in den Mainzer Stadteil Gustavsburg und über eine Brücke über den Main.

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Dann links dem Main entlang. Ich fahre an einem kleinen Stadtpark entlang und mache kurz eine Früchte Pause. Es ist sage und schreibe schon halb zwölf. Die Zeit vergeht im Fluge. Ich fahre weiter, der Rheinpromenade entlang, da jubelt mir eine andere Radlerin zu. Erstaunt betrachte ich sie genauer. Sie hat mindestens soviel Gepäck wie ich und einen uuuuralten Dreigänger. Ich spreche sie an und frage sie wohin die Reise gehe. Sie lächelt mich fröhlich an und sagt. „Nur noch rüber über den Rhein an den Bahnhof und dann mit dem Zug nach Düsseldorf nach Hause.“ Sie sein nun alles dem Main von der Quelle bis zur Mündung in den Rhein gefolgt. Es sein eine wunderschöne Tour und sie sie schon etwas traurig, denn nächste Woche gehe es wieder an die Arbeit. Unsere Wege trennen sich wieder und wir wünschen uns noch eine gute Fahrt.

Links am Rheinufer beim Restaurant Dreimaster wurde ein Sandstrand angelegt, fast wie in Rimini.

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Hier ist mein erster Reiseführer, Teil 2 von Basel nach Mainz, fertig. Laut Buch waren es ca. 410km, mit meinen Abstechern werden es noch einige mehr sein. Dann von Winti nach Basel waren es wohl auch nochmals 150km oder mehr. Ich muss das mal nachrechnen, ich meine ich habe bestimmt mehr als 600km. Dann hätte ich in etwa die Hälfte geschafft. Nun also von Mainz nach Rotterdam. Laut Buch sind das 615km. Auf gehts!

Ich steige in die Pedale und geniesse die schöne Strecke direkt am Rhein. Das kam für mich bis jetzt zu kurz, soll sich aber in diesem Abschnitt ändern. Bislang bin ich zu oft abseits des Rheins gefahren. Mir fällt auf, dass die Landschaft um den Rhein hügeliger wird. Rebberge prägen das Bild und lösen die Maisfelder ab. Von denen habe ich für die Nächsten Jahre genug gesehenen.

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Bald erscheint vor mir das Schloss von Eltville. Irgend eine Prinzessin soll hier mal gewohnt haben. Hübsch, muss ich sagen. So ein Schlösschen hätt ich auch gern  genommen. Zeit für Mittagessen. Es ist schon halb zwei. Auf einer Parkbank unter Bäumen direkt am Rhein mache ich es mir bequem. Eine halbe Stunde nehme ich mir Zeit und fahre dann weiter.

In Rüdesheim nehme ich die Fähre nach Bingen und setze zum linken Ufer über. Auf der Fähre plaudere ich mit anderen Radwanderern. Sie sind Deutsche,  kommen von Andermatt, fahren mit Zelt und Camping und wollen noch bis Koblenz. Da endet ihre Veloreise und sie fahren mit dem Zug nach Hause.

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In Bingen lasse ich die Hildegard recht schön grüssen und fahre Richtung Loreley Felsen. Anders als ich gedacht habe geht der Radweg nicht über die Hügelkette, man kann also  ganz nah dem Rhein entlang fahren. Bin ich froh :-). Der Flusslauf wird enger und die Hügel um mich herum noch höher.

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Um halb fünf mach mich mir langsam Gedanken. Ich muss mir eine Bleibe für heute Nacht suchen. Ich unterquere die Bahnlinie, aber hier hat es nichts was nach einem Hotel aussieht. Wenigstens weiss ich jetzt wo ich bin und suche im Reiseführer nach Hotels. Da, im nächsten Ort, in Bachrach, da hat es ganz viele. Da wird es doch auch ein Bett für mich haben? Es hat. Aber leider kein Internet. Und auch noch in einem Funkloch. Trotzdem, ich habe ein warmes Bett und ein Frühstück zu einem fairen Preis. Mit Mühe und Not kann ich mich noch ganz kurz mit meiner Familie austauschen. Den Blog kann ich leider erst Morgen rauslassen.

Bachrach ist ein schmuckes Städtchen, mit viel Gartenwitschaften und Riegelhäusern. Ich suche ein Restaurant für ein leckeres Nachtessen. Es hat wunderschöne Weinlauben die zum Verweilen einladen. Ich habe die Qual der Wahl.

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3 Kommentare zu „22.08.2013

  1. Ist das Megaschön bei Dir. Bin schon bisschen neidisch, ich fahre auch gerne Rad in so schöner Landschaft. Sieht aus wie in Stein am Rhein. Unser Töfflijunge hat heute den Ausweiss bekommen… Er ist megastolz<3. Heute hat es bei uns bei strahlender Sonne kurz geregnet, wir verstanden es überhaupt nicht. Hoffe Du hast auch morgen noch trocken, am Sonntag regnet es ja. Also PAUSE für Dich. Liebi grüessli festi umarmig Dini Bubelus Bussi

  2. Peter mit Rad auf der Autobahn. Yeah!!! Finde ich DER Burner!!
    Ähm…die Prinzessin vom Schloss von Eltville war ich… Hätte ich gewusst, dass dir das schmucke Gemäuer gefällt…
    Wünsche dir viel Speuz für die nächsten 600km, die du sicher locker auch noch hinschmeisst. Bei so vielen wunderschönen Ortschaften, wirst du die Distanz gar nicht wahrnehmen!

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